RASSEKUNDE

Geschichte des Mangalitzas Schweines


Der Name „Mangalica“ bedeutet „walzenförmig“, er könnte vom serbo-croatischem „mangala svinija – Schwein, das sich gut ernährt“, „Mangulica“ oder „Mangulac – leicht fett werdend“ oder vom rumänischen „mancare – essen“ abgeleitet sein.

 

Zahlreiche Namen werden für das Mangalitza, seine Rassen und Kreuzungstiere verwendent: Wollschwein, Wollhaariges Schwein, Kraushaariges Schwein, Baris und Ordas (Kreuzungstiere) oder Bogauner (Bakonyer Vorfahre der Mangalitza). In den verschiedenen Ländern werden unterschiedliche Schreibweisen für Mangaltiza gebraucht: Mangalica (Ung.), Mangulica (Serb.), Mangalita (Rum.), Mangalitsa (AmE), Mangulac, Mangaliza, Mangalicza. Die Rassen der Mangalitza Schweine werden im ungarischen Szöke (ung. Blondes Mangalitza), Fecskehasu (ung. Schwalbenbäuchiges Mangalitza) und Vörös (ung. Rotes Mangalitza) genannt.

 

Zoologische Einteilung

Das asiatische und europäische Wildschwein, Sus scrofa vitattus und Sus scrofa scrofa , sind die Urväter aller domestizierten Hausschweine. Die Rassen des Mangaliza Schweines fallen in die Gruppe der mitteleuropäischen (slaw.- und keltisch – iberischen) klein- und großohrigen Zuchten.

 

Die Schweine des Balkans vor 1850

Der Ursprung der frühen Schweinerassen des Balkans liegt in kaum domestizierten, dem Wildschwein ähnlichen Tieren des Fleischschweintyps, wie den „Walachischen Stacheln” sowie in den, sich langsam entwickelnden Schweinen des Bergschlags. Diese besiedelten im 18. Jahrhundert die Berglandschaften des Karpatischen Beckens und die Ausläufer der Alpen.

das Bergschwein in Ungarn/ ungarischer Fleischschweinetyp
das Bergschwein in Ungarn/ ungarischer Fleischschweinetyp

Herdentrieb und Abferkeln erfolgte ganzjährig extensiv. Der Schweinehirt (ung. Kanász) nährte die Herde in gepachteten Eichenwäldern (Eichelmast), auf abgeernteten Feldern, sumpfigen Gelände und Ödland. Zweijährige Tiere wurden der Schlachtung zugeführt.

 

 

Die Herkunft der Rassen aus denen das Mangalitza erzüchtet wurde ist umstritten. Allgemein aber wird davon ausgegangen, dass der Ursprung in den Kronländern der alten Donau Monarchie, jedoch nicht in den Hauptländern Österreich-Ungarns selbst lag.

Zu den frühen Schweinrassen zählen das Alföldi Schwein der Alföld-Tiefebene, das Szalonta Schwein oder das transdanubische Bakony Schwein (die Namensgeber des engl. Wortes „bacon“). Das Šiška Schwein ist ebenso ein früher Vorfahre der Mangalitza Schweine.

Die Entwicklung des Fettschweintyps

Die voranschreitende Landwirtschaft (Forstwirtschaftliche Umstellungen, Fluß und Flächenregulierungen aber vor allem die steigende Maisproduktion) führte zu einer intensiveren Schweinehaltung. Aus den vorhandenen Schweinerassen wurde in zahlreichen Zuchten der Komitate Ungarns mittels Ein- und Verkreuzung vor allem serbischer Sumadia - oder kroatischer Syrmien Schweine die Rassen des heute als Mangalitza - oder Wollschwein bekannten Fettschweintyps entwickelt.

 

 

1. Berkshire Schweineschädel (kan). 2. Schädel. eines Yorkshire Eber.
3. Wildschweinschädel (kan). 4. Bakonyi Schweineschädel. (Rhode után).

Die Stammzucht in Kisjeno gilt als Vorreiter dieser Entwicklung. Ein Dokument aus dem Jahr 1833 belegt die Überbringung von zwölf Schumadinka (Sumadija, Sumadia) Fettschweinen (2/10) aus der Zucht bei Topscider, Belgrad des serbischen Fürsten Miloš Obrenovic an den Palatin von Ungarn, Joseph Anton Johann von Österreich in dessen Dömäne nach Kisjeno. Diese „Milos-Schweine“ wurden mit den Szalontaer- und Bakonyer-Schweinen verpaart. Ihre Nachkommen bildeten die Basis für die spätere Fettschweinzucht. Das „Kisjeno-Blut“ verbreitete sich über die zahlreichen Zuchtherden Ungarns.

 

 

Mangalitza Zuchtstämme
Beispiele der zahlreichen, ungarischen Mangalitza Schweinezuchten
um 1925.

Mangalica-Zucht der kön. ung. Krondomäne Gödöllö.

Zucht der Gutbesitzer Andreas und Nikolaus Kun in Nagytanya

Schwalbenbäuchiges, schwarze Mangalica-Zucht der

Domäne des Grafen Ladislaus Károlyi in Felgyö

 

Die Aufzeichnungen der Pusztaujkút-er Kreuzungszucht berichten bereits um 1920 von der Einkreuzung von Berkshire Eber zur Verbesserung von Rasseeigenschaften

 

 

Die organisierte Fettschweinzucht bis 1950

Ungarns staatliche Schweinezuchtanstalt (Mezohegyesi Allam Ménesbirtokon) wurde 1865 gegründet. Eine der ersten industriellen Schweinemästereien Ungarns war die 1869 errichtete Anlage der „Ersten ungarische Borstenviehmaststall- und Borschuß-Gesellschaft“ in Steinbruch (Budapest, X. Bezirk, Kobánya). Auf 24.000 Klaftern wurden unter ständiger veterinärpolizeilicher Kontrolle in 128 Ständen Bakonyer-, Mangalicza- und Szalontaer Schweine gemästet.

Kõbánya Schweinemastanlage

Verkehr der Kõbánya Schweinemastanlage im Jahre 1869, 70 und 71


 

Als führende Fettschweinrasse nährten die Produkte des Mangalitzas überwiegend die Bevölkerung der Österreichisch- Ungarischen Monarchie. Grund der Beliebtheit war das Fett. Nach einer langen Läuferzeit wurden die Schweine bis auf 250 bis 300kg gemästet, wobei 20 bis 25cm Rückenspeckdicke keine Seltenheit war.

 

Vor Einführung der Donaudampfschifffahrt und Errichtung von Bahntransporten erfolgte der Schweineauftrieb aus den Zuchten in die Wiener Schlachthöfe mittels wochenlangen Fußtransportes. 1871 wurden noch 38.330 Fettschweine aus Gyor und Sopron für den Wiener Markt aufgetrieben.

In den 1890-er Jahren wurde in Budpest eine Schweinemarktanlage und das Schweineschlachthaus errichtet. Ungarische Viehzählungen ergaben 1895 eine Population von 6.447.143 Schweinen (MATLEKOVITS 1900; TORMAY 1896). Davon gehörten 94% dem Fettschweintyp an. Damit war Ungarn mit 407 Schweinen auf 1000 Einwohner das Land mit den meisten Schweinen in Europa. 1894 wurden 73% nach Mittel- und Westeuropa exportiert.

Diese erste Blütezeit der ungarischen Fettschweinzucht beendete die 1895 aus Amerika eingeschleppte Schweineseuche, Exportbeschränkungen sowie konkurierende, ausländische Fleischschweinrassen. Der Bestand erholte sich erst um 1911, wurde jedoch in den Kriegsjahren erneut dezimiert.

Abrechnung für 36 Mangalitza Schweine
Schlachthof St. Marx, Wien, 1913

 

Neben den Landgütern und älteren industriellen Mästereien wurde in der Zwischenkriegszeit in Nagytétény, Békéscsaba, Cegléd, Kecskemét, Barcs, Györ, Pápa und Elek gewerbsmäßige Fettschweinemast betrieben

 

Schweinemastanstalt Kõbány
Verwaltungsgebäude der Schweinemastanlage Budapest/Kõbányaa
Masthof der Genossenschaft der Ungarischen Landwirte in Kõbány

 

(Einstellgewicht der abgebildeten Herde v. 600 Stk. 123kg pro Paar,
nach Mast 586 Stk. von 348kg das Paar

 

 

 

Anlage der Barcs-er Schweinemast AG in Barcs, Verladungsrampe, Draubrücke und Masthöfe (Drausandstreu verlieh den Schweinen eine glänzend gelbe Haarfarbe)

 

1927 wurde der bis heute agierende Ungarische Landesverband der Fettschweinzüchter (Mangalicatenyésztok Országos Egyesülete, MOE) gegründet und das Mangalitza Schwein als eigenständige Rasse offiziell anerkannt. Das Mangalitza erlebte nach dem zweiten Weltkrieg einen erneuten Aufschwung. Die Zahl der registrierten Zuchtschweine stieg bis 1943 auf 30.000 Stück an.

 

Die extensive Schweinehaltung Ungarns erhielt sich abseits der großen Mästereien bis in die 50ér Jahre des 20. Jahrhunderts und wird heute in Naturparks oder von alternativen Schweinezüchtern fortgesetzt

Das Mangalitza ab 1950

Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich der Bedarf an Schweinefleischprodukten radikal und Schweinerassen mit magerer Fleischqualität verdrängten das Mangalitza Schwein. Während sich Ende der Siebziger Jahre die industrielle Schweinehaltung mit importierten Fleischschweinrassen und standardisierten Hygienevorschriften in Hallen etablierte, wurde das Mangalitza Schwein nur mehr in Tierparks oder vereinzelt von Kleinzüchtern für den Eigenbedarf gehalten.

1973 wurde das Mangalitza in Ungarn unter Schutz gesetzt und eine subventionierte Genreservenzüchtung eingeführt. Bis 1980 konnte innerhalb 10 Betrieben ein Zuchtstamm der drei Rassevarianten Blond, Schwalbenbäuchig und Rot in mehreren Linien aufgebaut werden.

Erst ein Exportabkommen mit Spanien zur Herstellung von Serrano-Schinken (Jamón Serrano) bewirkte ab 1990 einen wirtschaftlichen Aufschwung des Mangalitzas.

 

 

Erhaltungsarbeit in Österreich ab 1980

Nach 1986 begann der Verein zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen in Österreich (VEGH) als anerkannte tierzuchtrechtliche Organisation das Mangalitza Schwein zu betreuen. 1994 registrierte Prof. Franz Punz 43 Mangalitza Züchter die neben ein paar Schweinen der Rasse des Blonden Mangalitza hauptsächlich Schwalbenbäuchige Mangalitza Schweine hielten. Zur Blutauffrischung führte Prof. Punz von 1989 bis 1990 weitere acht Linien Schwalbenbäuchiger Mangalitza Schweine aus den pannonischen Raum ein. Ab 1994 organisierte Gerald Dunst im VEGH die Zucht und Herdbuchführung für Mangalitza Schweine.

Im Rahmen des Österreichischen Programmes für umweltgerechte Landwirtschaft im Jahre 2000 (Öpul 2000) wurde die Interessensgemeinschaft der Wollschweinzüchter Österreichs (IGWÖ) gegründet. 2002 übernahm Christoph Wiesner die Leitung der IGWÖ. Im Februar 2005 wurden drei weitere Eberlinien Schwalbenbäuchiger sowie drei Linien Blonder und erstmals drei Linien Roter Mangalitza Schweine aus Ungarn importiert. Heute gibt es in Österreich ca. 80 registrierte Mangalitza Züchter (250 reinrassige Muttertiere und rund 80 Eber), mit einer Bestandsgröße um je zwei bis zehn Zuchttiere. In einigen Arche-Höfen oder in Tierparks zb. im Nationalpark Neusiedler See sind in Österreich Mangalitza Schweine zu sehen.